Gemeinsam mit maßgeblichen ExpertInnen und Betroffenen habe ich über die Infrastruktur- und Raumprobleme diskutiert, die sich am Wiener Universitäts- und Forschungsstandort stellen. Die Initiative hat regen Zuspruch gefunden, sodass dieses erste Treffen lediglich der Auftakt war.

Der Raumbedarf der Universitäten und die damit zusammenhängende Notwendigkeit für Sanierungen bzw. Neubau sind enorm. Es war wichtig offen und für alle ersichtlich festzustellen, wie groß der Bedarf tatsächlich ist. Bisher sind Gespräche in Bezug auf Raumfragen meist bilateral zwischen den einzelnen Universitäten und dem BMWF und/oder der BIG verlaufen. Die Stadt Wien war meist ausgeklammert bzw. nicht in einem Maß involviert, wie es für nachhaltige Stadtplanung sinnvollerweise nötig ist. Nachhaltige Stadtplanung aber auch die Frage der Mietzahlungen und das Verhältnis zwischen den Wiener Universitäten und der BIG lassen sich nur gemeinsam lösen.

Im Verlauf der Diskussion wurde klar, dass wir wegkommen müssen von bilateralen Gesprächen zwischen einzelnen Akteuren wie den Universitäten, dem Wissenschaftsministerium und der BIG und hin zu Gesamtlösungen unter Einbeziehung aller, v.a. auch der Stadt. Schließlich hat die Stadt ein Interesse und das Recht, in die Planungen von Beginn an eingebunden zu sein. Ein Beispiel: Es gibt Überlegungen, eine Lagerbibliothek für selten ausgehobene Bestände der Universitätsbibliotheken einzurichten. Mehrere Universitäten haben ihr Interesse daran bekundet. Nur wenn die Stadt von Beginn in die Planungen eingebunden ist, wird sich der bestmögliche Standort finden.

Orte der Kommunikation

Raumfragen von Universitäten und Fachhochschulen sind immer auch Raumfragen für die Stadt. Die Qualitäten einer Universität orientieren sich nicht nur an technischen Gegebenheiten; sie sollen auch ein Ort der Kommunikation und des Austauschs sowohl unter Studierenden und Lehrenden als auch BesucherInnen der Universität sein. Die Durchmischung ist für die Stadt maßgeblich. Deshalb sollten wir es verstärkt als Chance wahrnehmen, dass Universitäten ihr eigenes Umfeld gestalten können – auch seitens der Stadt. Ein gutes Beispiel hierfür ist die ETH Lausanne, das ich erst kürzlich gemeinsam mit Bürgermeister Häupl und einer Delegation aus Wien besucht habe. Neben inhaltlichen Reformen im Bereich der Forschung, Lehre und Personalstruktur waren es die architektonisch mehrfach preisgekrönten Lernräume und Bibliotheken, die die ETH Lausanne in den vergangenen zehn Jahren unter die Top 10 Europas brachten.

Die Stadt beleben

Von den Universitäten und Fachhochschulen wird gern eine Öffnung nach „außen“ verlangt. Das ist durchaus sinnvoll und im Interesse einer bunten und belebten Stadt. In der Umsetzung scheitert es jedoch oftmals an banalen Problemen, wie etwa Fragen der Haftung und Versicherung in Gebäuden. Mehrere Gebäudeeingänge zu haben und das womöglich ohne  Sicherheitsvorkehrungen und Zäune ist an sich ein unterschätztes Zeichen für eine offene Universitätskultur. Universitäten und mit ihnen die vielen Studierenden beleben unsere Stadt und sind eine Bereicherung. Wir müssen daher besonders bei Neubauten darauf achten, dass sie sich aufgrund übertriebener Sicherheitsbedenken nicht hinter Zäunen und biometrisch gesicherten Eingangstoren verschanzen. Dann wirken sie nicht länger belebend sondern werden von der Allgemeinheit gemiedene Fremdkörper mitten in der Stadt.

Eine Dachmarke für die Universitäten Wiens

Ein weiteres Thema war die Schaffung einer Dachmarke für alle Universitäten Wiens. Eine solche Dachmarke wäre für die internationale Reputation der Stadt ein wichtiger Schritt für mehr Anerkennung und höhere Attraktivität über die Landesgrenzen hinaus. Die Universitäten sind wertsteigernd für den Standort Wien. Ein Ziel muss daher sein, die Universitätsstandorte verstärkt ins Bewusstsein der Stadt zu rücken. Wir arbeiten daran, alle Universitäts- und Bibliotheksstandorte in den Online-Stadtplan auf www.wien.at zu integrieren. Das kann aber nur der Anfang sein. Eine weitere sinnvolle Maßnahme wäre z.B. die konsequente Einbindung aller Universitäts- und Forschungsstandorte in die Ansagen und die Beschilderung der öffentlichen Verkehrsmittel.

Fortsetzung folgt

Seit kurzem gibt es eine weitere Initiative im Bereich der mittel- und langfristigen Planung universitärer Infrastruktur, den “Bauleitplan Ost“ des Wissenschaftsministeriums. Das ist zu begrüßen und die Stadt Wien hat großes Interesse, sich hier noch mehr einzubringen. Ich werde mich bemühen, hier stärker zu vermitteln und die beiden Initiativen womöglich in eine konzertierte Form zu bringen.

Es wird weitere Treffen in dieser (möglicherweise um VertreterInnen des Landes NÖ erweiterten) Zusammensetzung geben. Vereinbart wurde bis auf weiteres Treffen im halbjährlichen Abstand. Ich bin zuversichtlich, dass wir die genannten Herausforderungen sukzessive meistern werden.