Über den Umgang Österreichs mit internationalen Uni-Absolventen

Das österreichische Fremdenrecht erlegt internationalen Studierenden, die hier ihren Abschluss machen, weiterhin große Hürden beim Eintritt in den Arbeitsmarkt auf. Die Folge ist paradox: Österreich finanziert internationalen Studierenden, also solchen aus anderen EU-Staaten genauso wie solchen aus Drittstaaten, aus Steuermitteln ihr Studium und schmeißt sie aus dem Land, bevor sie die Kosten für ihr Studium über eine Erwerbstätigkeit und die damit verbundene Steuerleistung zurück zahlen können. Volkswirtschaftlich gesehen ein Unsinn.

Ein Blick nach Deutschland lohnt

Aber es geht auch anders. Das zeigt ein Blick nach Deutschland und den dortigen Umgang mit Hochschulabsolventen und -absolventinnen. Anders als in Österreich hat man sich ab 2000 entschieden, die restriktiven Bestimmungen zu lockern und es den AbsolventInnen zu erleichtern, nach dem Abschluss ihres Studiums im Land zu bleiben und Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden. Damals führte die deutsche Bundesregierung die Green Card für IT-Fachkräfte ein. Diese wurde 2005 auf alle Studienbereiche ausgeweitet. 2012 wurde schließlich die bis dahin gültige Suchphase, also der Zeitraum, der AbsolventInnen nach Abschluss ihres Studiums zur Verfügung stand um einen Arbeitsplatz zu finden, von 12 auf 18 Monate ausgedehnt. Außerdem gilt in Deutschland, anders als in Österreich, der Bachelor als Studienabschluss im Sinne des Bleiberechts. Weitere Unterschiede zu Österreich: AbsolventInnen dürfen dann in Deutschland bleiben, wenn sie binnen 18 Monaten einen Arbeitsplatz finden, der ihrem Abschluss angemessen ist. Diese Regelung wird jedoch dezidiert offen ausgelegt, sodass keine Bindung an das Studienfach besteht. Die Tätigkeit muss lediglich eine sein, die in der Regel einen akademischen Abschluss voraussetzt. Anders als in Österreich gibt es kein erforderliches Mindestgehalt, keine Vorrang- und keine Gleichwertigkeitsprüfung. Vielmehr hat man sich entschlossen, die beiden letztgenannten Prüfungen entfallen zu lassen um die damit befasste Bundesagentur für Arbeit, das deutsche Pendant zum AMS, zu entlasten (davon können die leidgeprüften MitarbeiterInnen der Magistratsabteilung 35 nur träumen!). Im Übrigen genießen AbsolventInnen während der 18 monatigen Suchphase unbeschränktes Arbeitsrecht.

Immer wieder wird die Forderung laut, die mit der Exekution des Bleibe- und Aufenthaltsrechts befassten Stellen – in Wien ist dies die MA 35 – sollten personell besser ausgestattet werden, um der vielen Fälle und des großen Prüfungsaufwands Herr zu werden. Mitnichten! Das Gesetz gehört geändert, der Unsinn beendet. Deutschland hat vorgemacht, wie das gehen kann.