Berlin kann dank einer liberalen Gesetzeslage internationale Absolventen mit offenen Armen willkommen heißen.

Wien, die größte Studentenstadt im deutschsprachigen Raum, kann das nicht. Der Grund: das österreichische Fremdenrecht. In Berlin leben rund 25.000 ausländische Studierende, in Wien etwa doppelt so viele. Rund die Hälfte kommt aus dem EU-Ausland, die anderen aus Nicht-EU-Staaten in Südosteuropa und – vor allem an den vier Wiener Kunstuniversitäten – Ostasien. In ihrem Umgang mit den Absolventen aus den sog. Drittstaaten unterscheiden sich Wien und Berlin sehr deutlich.

Österreich finanziert internationalen Studierenden aus Steuermitteln die Ausbildung und schickt sie dann weg, bevor sie die Kosten dafür über eine Erwerbstätigkeit und die damit verbundene Steuerleistung zurückzahlen können. Das ist volkswirtschaftlich gesehen Unsinn.

Wien ist unmittelbar betroffen. Die Magistratsabteilung 35 in der Dresdner Straße ist mit dem Vollzug des Fremdenrechts betraut. Nach Studienabschluss muss noch das Arbeitsmarktservice eine Genehmigung für die Arbeitsaufnahme erteilen. Internationale Studierende und Absolventen klagen über lange Wartezeiten, alle Betroffenen hadern mit dem hohen Prüfaufwand, den das Gesetz vorschreibt. Glücklich ist niemand. Auch nicht die Unis, denn sie verlieren an Attraktivität. Studierende aus aller Welt gehen lieber dorthin, wo man sie nach Abschluss des Studiums nicht gleich wieder loswerden will.

Berlin hat es besser. In Deutschland wurde erkannt, dass eine wissensbasierte Wirtschaft und Gesellschaft schlecht beraten ist, Menschen teuer auszubilden und als Hochqualifizierte fortzuschicken. Man hat es den Absolventen daher leichter gemacht, im Land zu bleiben: Die Frist, einen passenden  Arbeitsplatz zu finden, wurde auf 18 Monate verlängert; Arbeitsmarktverträglichkeitsprüfungen wurden ebenso gestrichen wie das erforderliche Mindestgehalt. Ziel des Umdenkens ist eine Willkommenskultur. Berlin hat sie, Wien (noch) nicht. Bis sich das ändert, verliert Wien gegen Berlin.

(Kolumne erschienen am 12.11.2014 in der Wiener Bezirkszeitung)